Das zu kurze Zungenband

Ein zu kurzes Zungenband (Zungenbändchen, Ankyloglossie) ist ein häufiges Problem in der Stillberatung und es ist keine "Modediagnose". Die Kenntnisse im deutschsprachigen Raum über die Problematik sind in den letzten Jahrzehnten leider in nahezu allen Fachgebieten, die die Thematik betrifft, nicht weiter vertieft worden. Unter anderem der (glücklicherweise) häufiger werdende Wunsch von Müttern, ihre Kinder ausschliesslich zu stillen, hat das Thema wieder in den Fokus gerückt.

Nichtsdestotrotz ist auch nicht jedes Stillproblem auf ein zu kurzes Zungenband zurückzuführen und neben einem zu kurzen Zungenbändchen sind sehr oft auch noch andere Umstände am momentanen Problem(komplex) beteiligt.

 

Allerdings ist es wichtig zu wissen, dass ein zu kurzes Zungenbändchen / Lippenbändchen nicht nur Ernährungsprobleme im Säuglingsalter machen kann, sondern weitreichende Konsequenzen (z.B. Kieferfehlstellungen, Schlafprobleme, falsche Zungenruhelage,….) nach sich ziehen kann.

 

Die Behandlung eines zu kurzen Zungen- und auch Lippenbändchens erfordert in der Regel ein multidisziplinäres Team.

Die alleinige operative Durchtrennung des Zungenbändchens oder Lippenbändchens reicht in den meisten Fällen zur Problembehebung nicht aus.

 


Ich habe neben meinen weiteren Fort- und Weiterbildungen viele Stunden in meine Wissenserweiterung bezüglich dieses Themas investiert, habe viele Fortbildungen dazu besucht und arbeite mit nationalen und internationalen Fachleuten auf diesem Gebiet zusammen, um betroffenen Familien gute Hilfe zu bieten.

Hier in Münster arbeite ich, wenn eine Durchtrennung des Zungen- oder Lippenbands sinnvoll erscheint, mit einem Arzt (ebenfalls IBCLC) zusammen und wir betreuen die Kinder bzw. Familien dann gemeinsam. In manchen Fällen ist allerdings die Vorstellung in einer spezialisierten Zahnarztpraxis sinnvoll. Entsprechende Adressen in solchen Fällen gebe ich Ihnen gerne.

 


Als IBCLC liegt mein Fokus auf Säuglingen und Kleinkindern, ältere Kinder können wir an entsprechende Fachpersonen weiter verweisen, wenn sich ein entsprechender Verdacht bei uns bestätigt. 

Auch wenn Sie bereits Kontakt mit einer Stillberaterin hatten, ist Grundbestandteil unseres Konzepts, die Situation nochmals eigenständig zu beurteilen und entsprechende, uns sinnvoll erscheinende Massnahmen mit Ihnen zu besprechen und in die Wege zu leiten.

Eine Blickdiagnose reicht selten aus. Letztendlich ist die Zungenbeweglichkeit (eingeschränkt oder nicht) entscheidend. Sehr weit vorne ansetzende (anteriore) Zungenbändchen sind oft von sich aus relativ auffällig. Weiter hinten ansetzende, posteriore Zungenbänder erfordern immer eine ausführliche Untersuchung der Mundhöhle.

Aus dem Ergebnis der Untersuchung von Mund und Zungenbeweglichkeit in Kombination mit Hinweisen aus Anamnese und Symptomen beim Stillen/Fläschchengeben ergibt sich das Gesamtbild für die Situation und das sinnvolle Vorgehen im individuellen Fall kann abgeschätzt werden.

Nicht immer ist der (kleine) Eingriff der Durchtrennung des Zungenbands / Lippenbands (Frenotomie) zeitnah sinnvoll. Und manchmal entscheiden sich auch Eltern aktiv dagegen. Es steht immer Stillberatung bzw. Fläschchenberatung im Vordergrund und die Einleitung begleitender Massnahmen.

Im Hinblick auf einen geeigneten Zeitpunkt für eine Frenotomie werden Sie beraten und können eine gut informierte Entscheidung treffen, in jeder Hinsicht.